websummit 2019

Nov 12, 2019Cuckoo Coding GmbH, Deutsch

Die letzte Woche haben wir uns die Websummit in Lissabon angetan. 70.000 Menschen aus aller Welt, 5 Hallen plus riesige Hauptbühne und jede Menge Stars aus der Business- oder Politik-Welt plus sogar ein paar vereinzelte Showbiz Stars, von denen man nicht sicher sein konnte, was sie da eigentlich zu tun hatten (z.B. der Typ aus Vampire Diaries, der den älteren Vampirbruder spielt, der erst böse ist und gut und dann doch wieder böse und dann doch wieder gut).

Anyways, hier meine Top 5 Takeaways der Websummit 2019:

Frauen.

Für mich schon lange ein Thema, wie Ihr vielleicht mitbekommen habt – es gibt zu wenige Frauen in IT und die, die es gibt, sind nicht sichtbar. Die Websummit hat das dieses Jahr (wieder) großartig gelöst – tausende von Tickets für Frauen wurden für ein 10el des originalen Ticketpreises rausgegeben. 

Und der Plan ist aufgegangen: Es war fast ein ausgewogenes Verhältnis der Besucher. Und auch für die Bühne hatte man sich Mühe gegeben – junge und ältere Frauen, berühmte und Newcomerinnen tauschten sich hier im Rampenlicht über neue Technologien aus.

Nachhaltigkeit.

Ein Thema, das heute in aller Munde ist und auch viele Unternehmen und Politiker immer wieder gern für sich beanspruchen. Es hat mich doch überrascht, wie sehr dies hier Thema war. Auch wenn es oft nur an der Oberfläche angekratzt wurde und ich auch nichts bahnbrechend Neues gehört habe, war es doch offensichtlich, dass jetzt in Business direkt neben der Frage “Wie kann man das monetarisieren?” die Frage kommen kann “Und wie hilft uns das dabei, gegen die Klimakrise vorzugehen?”. Und das ist schon ziemlich gut, eigentlich.

In Business kann jetzt anscheinend direkt neben der Frage “Wie kann man das monetarisieren?” die Frage kommen “Und wie hilft uns das dabei, gegen die Klimakrise vorzugehen?”. 

Orga Chaos.

Was leider nicht gut war: Viele Aspekte des Event Managements. Wenn Nachhaltigkeit Dein Thema ist, sollte man vielleicht nicht 70.000 Leute drei Tage lang hauptsächlich mit Fleisch ernähren. Und dann schlechtes Essen hochpreisig zu verkaufen, bei Ticketpreisen von bis zu 1500 € pro Person, ist schon leicht dreist…

Die Event App war zudem ein Paradebeispiel für schlechtes UX Design und die Ausschilderung vor Ort trug im Allgemeinen nur zur Verwirrung bei. Getrackt wurde analog, d.h. bei jeder Bühne standen Leute mit Handys die Dein Ticket beim Rein- und Rausgehen gescannt haben. Beim Haupteingang, um sicher zu gehen, musste man durch 5 solcher Kontrollen hintereinander. Leicht unsinnig. Und es gab einfach zu wenige Bühnen und zu wenige Toiletten für so viele Menschen – es war ein ewiges Schlange stehen, und wir sind in einige Workshops nicht mehr reinkommen oder standen bei Vorträgen so weit hinten, dass wir nichts verstehen konnte.

Business/ Productivity/ Creativity Theorien.

Während Osterwalder (der Autor vom “Business Model Canvas”, falls ihr das kennt) versucht hat, seine Uralt Theorie noch weiter auszuschlachten, und wirklich dabei nichts gesagt hat, was nicht jedem, der Business macht, sofort deutlich sein sollte, gab es einen überraschend guten Vortrag zu Design Thinking von Wai Lee von Garmin, der das Modell kritisiert und auf den Boden geholt hat. Stichwort: Was bringen einen die ganzen bunten Post-Its, wenn man das Produkt nicht zum Markt bringen kann? Ohne die Grundsätze von Design Thinking abzulehnen, hat er vielmehr die heutige Umsetzung dieser Theorie von Unternehmen kritisiert. Es ginge bei Design Thinking nicht darum, ein bißchen Startup zu spielen und seine Angestellten zu unterhalten, sondern darum, neue Produkte schnell auf den Markt zu bringen. Diese schnelle Iteration neuer Produktentwicklungen und Markteinführungen sei aber nur möglich, wenn die Produktionsvoraussetzungen von Anfang an mit bedacht werden. Anstelle bei der Idee anzufangen, schlug er vor, bei den vorhanden Produktionsbedingungen / -möglichkeiten anzufangen und entlang dieser neue Produkte zu entwickeln.

Die üblichen Verdächtigen.

Ansonsten gab es die üblichen, schon leicht tattrigen Buzzwords als Thema: AI, Blockchain, IoT, Cloud, SaaS, 3D Printing… Meist blieb es zu sehr an der Oberfläche: viele Panels, wenige gut vorbereitete Vorträge und Workshops. Und wenn gut vorbereitet, dann oft weil hier ein Unternehmen dabei war, sich selbst zu vermarkten und weniger an der Wissensübermittlung interessiert war. 

Ich hab die Messe mit dem Verdacht hinter mir gelassen, dass ich einfach schon auf zu vielen solchen Veranstaltungen war. Das einzige, was für mich in diesem Ausmaß neu war, war der immer wieder eingenommene Blickwinkel der Nachhaltigkeit, der natürlich das Potential hat, Themen wie “AI” einen neuen Twist geben und zurück in die Sinnhaftigkeit zu holen (die heutzutage gerade bei diesem Thema von Unternehmen oft aus den Augen verloren wird).

So, jetzt wieder zurück zur Arbeit: da warten zwei neue Flutter Projekte auf mich.. 😉